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created: 18-02-2011

updated: 22-04-2014

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BOOK ON SCHIEDMAYER

 

Concept of outline

 

 

 

 

 

Julius & Paul Schiedmayer - 1929 Lob, Ehr und Preis

Die Historische Entwicklung der Firma J.P. Schiedmayer, Stuttgart als Harmoniumfabrik

author: Willy Bitterling-Lehe
in: der HARMONIUMFREUND | 2. Jahrgang - Nr. 10-11,  S. 145-148 | 15. Juli 1929,

Page Leader

 


Es ist ein unbestrittenes Verdienst der Firma J. & P. Schiedmayer, heute Schiedmayer Pianofortefabrik, als erste Fabrik in Deutschland mit dem Bau von Harmoniums begonnen zu haben. Dies geschah  im Jahre 1853. Das Harmonium, Anfang des lezten Jahhunderts noch kaum entwickelt, wurde in Paris, der damaligen Hochburg des Harmoniumbaus, wo beinahe ein Monopol dafür bestand, in den verschiedensten Bauarten gebaut, und die beiden Brüder Julius und Paul Schiedmayer brachten von dort aus so umfassende Kenntisse des Harmoniumbaus mit, daß die von ihnen afgenommene Herstellung derselben blad großen Umfang annahm. Als aber im Laufe der Zeit, nachdem das Interesse in Deutschland erst einmal geweckt war, noch mehr Harmoniumfirmen enstanden, galt es, durch ständige Verbessrungen, und Erweiterungen den Vorsprung zu behalten, der erworben war.

Factories Stuttgart & Altbach


Nicht nu das Druckwindharmonium, das zunächst infolge seines kräftigen charactervollen Tons sehr beliebt war, wurde immer weiter ausgebaut. Auch dem Saugwindharmonium mit seinem lieblichen, zarten und sanften Ton wurden immer neue Möglichkeiten erschlossen. Die erste Form des Harmoniums war das Druckwind harmonium, so genannt, weil der Ton durch den Druck der im gefüllten Schöpfbalg befindlichen Luft erzeugt wird, welche durch die Kanzellen und Zungen gedrückt, diese zum Schwingen bringt. Wie schon erwähnt, ist der Ton kräftig, auch kernig und rund und besitzt ein großes Volumen, das große Säle und sogar Kirchenräume füllen kann. In vielen Gemeindehäusern  wie auch draussen in den Missionskirchen stehen Schiedmayer harmoniums und bieten teils als Pedalharmonium, teils mit 1 oder 2 Manualen dem Organisten einen genügenden Ersatz für die nicht zur Verfügung stehende Orgel.

47 Jahre wurden fast ausschließlich Druckwind Harmoniums  gebaut, bis die Firma J. & P. Schiedmayer auch dazu überging, die regelmäßige Fabrikation von Saugluftharmoniums aufzunehmen, nachdem bereits jahrelange Versuche vorangegangen waren. Das Saugluftharmonium wurde zuerst im Jahre 1873 in Nord-Amerika gebaut und heißt deshalb heute noch in englisch sprechenden Ländern "American Organ", d.h. amerikanische Orgel.

Das Saugwindharmonium erzeugt den Ton in genau entgegengesetzter Weise, wie das Druckwindinstrument. Der zuvor durch Treten entleerte Magazinbalg  saugt nämlich beim Niederdrucken der Tasten die Luft an, welche nun ihren Weg in umgekehrter Weise wie oben beschireben nimmt. Der Ton ist auf diese Art weich und von einer zarten Färbung, weshalb er sich besonders für Zimmerharmoniums eignet.

Nach dem großen Erfolg, den Druck-, und Saufluftharmonium hatten, began die Firma J. & P. Schiedmayer auch mit dem Bau jener Meisterharmoniums, die sich in der Zwischenzeit nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt einen großen Namen gemacht haben. Sie werden von den bedeutendsten Musikern wie z.B. Richard Strauß als die derzeitig besten Kunstharmoniums bezeichnet. Dies ist für Deutschland eine sehr beachtenwerte Tatsache, nachdem bisher ausländlische Firmen wie z.B.Mustel, Paris, die besten Instrumente dieser Art gebaut hatten.

Der Laie wird fragen, welche Vorzïge das Meisterharmonium einem gewöhnen Harmonium gegenüber hat. Da haben wir als wichtigsten Faktor seine doppelte Expressivität, doppelt, d.h. für Baß und Diskant geteilt. Welche nie geahnten Nuancierungsmöglichkeiten eröffnen sich da dem Spieler! Er kann Baß und Diskant unabhängig voneinander in den von ihm gewollten Stärkegraden behandeln. Das ist ein vorzug, der sich mit seinen andern mechanischen Hilfsmittel wie Abschwächungsregister, Forte züge usw. des kleinen Harmoniums wettmachen läßt.
Expressiv und wahrhaft modulationsfähig ist der Ton erst dann, wenn man ihn ohne andere hilsmittel als nu den Druck der Füße auf die Tretschemel, der bei gezogener Expression die Starkte des Tones bestimmt., ganz nach seinem Willen modifizieren, wenn der Spielger dem Ton eine wahhafte Seele geben kann.
Schon beim gewöhnlichen Druckwindharmonium mach sich der Vorteil der durchgehende , nicht geteilten oder doppelten Expression ungemein bemerkbar und hebt das Instrument schon künstlerisch auf eine viel höhere Stufe als die gewöhnlichen kleinen inexpressiven harmoniums .

Aber nicht nur die Doppelexpression ist es, die dem Meisterharmonium den Vorzug gibt. Da sind noch zu nennen die ungemein leichten Ansprache der Zungen, die aus nu denkbar bester Metallegierung hergestellt sind, das Umwandeln des Toncharakters von Streichton zum Blaston mittels mechanischer Hilfsmittel, die Percussion, eine hammermechanik, ähnlich wie beim Klavier, die für künstlerisches Spiel unentbehrlich sit, die verschieden Prolongationseinrichtungen, die Pneumatischen Forte Expressif register, Register für Schallklappen im Innern des Instruments die sich nach der jeweiligen Stärke des Winddrucks öffnen oder schließen.

Dann, was für orchestrales Spiel nahezu unerläßlich ist, die Celesta. Sie ist ein Stahlplattenklavier von bestrichtender und weittragender Wirkung, versehen mit eine Dämpferhebung  wie bei einem Klavier, im zweiten Manual des Meisterharmoniums disponiert und met dem ersten durch eine Koppelung verbunden.
Welche Orchestereffekte  lassen sich dadurch hervorbringen:  bald Harfenarpeggien, dann klavieristische  Effekte, dann wieder Glockentöne usw.

Einen weiteren großen und nicht zu unterschätzendenVorteil beim orchestralen Spiel bildet der doppelte Tastentdruck, mittels dessen der Spieler in eine Hand ein Thema durch tieferen Druck des betreffenden Fingers hervorheben kann, während die anderen Finger derselben Hand nur ganz wenig die Tasten niederdrücken das Thema begleiten, und die andere Hand in etwa ebensoldher Spielmanier eind entsprechendes Gegenthema herausmodelliert.

Das Meisterharmonium wird auch mit mechanische Spielvorrichtungen gebaut, die es ermöglicht, mit Rollen unter eigenhändiger Registrierung  zu spielen. Nur zwei Firmen bauen diese Art Instrumente.
Das Schiedmayer Scheola, wie es sich nennt, wird auf Wunsch auch noch durch Orgelregister erweitert, und eines dieser Instrumenten fefindet sich in den Räumen der Firma, im sogenannten Blauen Saal, im dem es vortrefflich zur Geltung kommt.

Showroom
Showroom / Musterzimmer


Die möglichkeit , das Harmonium nicht nur auf jeden nu irgenmöglichen Ton zu stimmen  sondern  vor allem auch die unbegrenzte Stimmhaltbarkeit ließen es schon lange auch für akustische Demonstrationen als das geeignete Instrument erscheinen.
Schon früh interessierte sich die Firma J. & P. Schiedmayerfür diese Probleme, besonders für die sogenannte "reine Stimmung", von der drei verschiedene  Systeme durchkonstruiert und in der praktische Ausführung geradezu ideal gelöst wurden.  Das diese Spezialinstrumente voll und ganz ihrem Zweck in Stimmung und Klaviaturanlage entsprechen, beweist die Tatsache, daß  immer und immer wieder von Universitäten, Konservatorien, Gewerbeschulen usw. des In- und Auslandes Bestellungen auf Rein-harmoniums und andere akustische Versuchsapparate einlaufen.

Das erste Rein-harmonium wurde im Jahr 1892 fertiggestellt. Gebaut wurde das Instrument nach Angabe und Berechnungen von Prof. Dr. Eitz aus Eisleben in Thüringen. Dieser führte seine reine Stimmung in 24 Tonarten durch und benötigte für die Oktave 108 Töne. Die Klaviatur die für dieses Instrument besonders konstruiert werden mußte, ist fünfteilig, d.h. die scheinbar langen Tasten, bestehen aus 5 dich aneinanderstoßenden kleinen verschiedenen Tasten. Trotzdem die Klaviatur ziemlich breit ist, bietet sie doch noch einen gutenÜberblick über unser gewöhnliches diatonisches Tonsystem.
Um auch Uneingeweihten einen schnelleren Überblick zu verschaffen, ist an der Registertafel über den fünfteiligen Klaviatur ein Abbild unserer normalen Klaviatur angebracht, die sogenannte Normalskala, welche jedem auf diesem Gebiet Fremden eine schnelle Orientierungsmöglichkeit über die Verteilung der verschiedenen Töne gewährleistet.
Die Stimmung eines solchen Instrumentes, die absolut genau sein muß, wird peinlichst nach den bestimmten Berechnungszahlen mit der Stoppuhr vorgenommen. Ein Reinharmonium Fabrikat Schiedmayer nach System Eitz steht im Deutschen Museum in München.
Neben dem System Eitz wurden im Jahre 1906 ein System Puhlmann und im Jahre 1915 ein System von Oettingen in ähnlicher Art, nu mit einigen Abweichungen in der Klaviaturanlage, von J. & P. Schiedmayer konstruiert und mehrfach hergestellt. [n.b.: Die Töchter von Von Oettigen schrieb in 1992 das Harmonium war 1914 construiert. Brief an Museum Deutschland Müchen.]

Stimmstockbauerei / Building the reedpans

Neben den Reininstrumenten wurden auch solche mit 1/3, 1/4 und 1/8 Töne gebaut.
Ersteres baute die Firma nach den Angaben des bekannten Komponisten Ferruccio Busoni mit besonders wertvollen Anregungen von herrn Dr. Schünemann, Professor an der Hochschule für Kunst in Berlin. Dieses Instrument befindet sich in der Staatlichen Hochschule für Musik in Berlin und wird dort für Studienzwecke benutzt. Das 1/8-Ton Harmonium wurde für ein Preußisches Laboratorium für Akustik gebaut.
Es hat 5 gewönliche Manuale und 1 pedal. Das fünfte Manual enthält die Celesta. Von den 4 andern Manualen ist dat erste in normaler Stimmung, das zweite 1/8 Ton, das dritte 2/8 Töne und das vierte 3/8 Töne vom ersten Manual höher gestimmt.
Wünscht man nach dem dritten achtel Achtel des vierten Manual das vierte Achtel, so ist es logischerweise in dem nächsten entsprechenden Halbton des ersten Manuals zu suchen.
In dieser Weise setzt sich die 1/8 Tonleiter über den gesamten Umfang des Instrumentes fort. Dieses Instrument sowie das Reininstrument des Hernn Professor Eitz wurden auf Staatskosten in den Fabrikationsräume der Firma Schiedmayer, Pianofortefabrik, hergestellt.
Auch wurden verschiedene Reinharmoniums nach Angaben von Herrn Professor Dr. Moser an der staatlichen Akademie für Kirchen- und Schulmusik in Charlottenburg hergestellt, um evtl. später  als Lehrinstrumente in deutsche Schulen eingeführt zu werden.
Herr Professor Dr. Franz Schreter, Berlin, bestellte für seine neue Oper "Der singende Teufel" eine Art Schnarrorgel nach altem Original von Charlottenburger Museum, und die Firma konnte an eine Reihe großer Theater dieses eigenartige Instrument liefern.
Neben all diesen Instrumenten für den Unterricht an Schulen, Universitäten, Konservatorien usw. wie z.B. kleine Instrumente mit einer Oktave und zwei Spielen Zungen, wobei das eine Spiel unsere gewöhnliche temperierte, die andere Zungenreihe die reine Stimmung demonstrierte.

Scheola

Scheola combination organ:
Harmonium & Pipe organ

Auch werden Instrumente mit Orgelpfeifen der verschiedensten Gattungen und mit Gebläsen verschiedener Winddruckstärken gebaut. Dann wieder Modelle, deren eine Hälfte den gesogenen - Saugwind - Ton und deren andere den geblasenen - Druckwind - Ton demonstrieren.
Ein besonderes Augenmerk hat die Firma Schiedmayer Pianofortefabrik, darauf gerichtet, mit einem erstklassischen Orchesterharmonium dienen zu können. Die Verwendungen für ein solches außerordentlich mannigfaltig, und die Vielheit der Ansprüche erfordert eine Spezialisierung und dazu eine Erfahrung, über welche nu wenige Firmen der Harmoniumbranche verfügen dürften.

Das Schiedmayer Orchesterharmonium steht in vielen Cafés, Kons un bei vielen Salonorcherstern, denen es bei der Untermalung und Füllung ihrer Orchester große Dienste leistet.
Auch die Schiedmayer Celesta, ein Stahlplattenklavier von bestrichtender Klangfarbe, ähnlich der Harfe oder dem Glockenspiel, wird für orchestrale Zwecke viel verwendet, und erst vor kurzem hat sich der berühmte Jazz-Symphoniker Jack Hylton zu deren Erwerb enschloffen.
Die ständig wachsende Bedeutung des Kinotheaters  für die Volkswirtschaft ließ aber weiterhin den Wunsch offen, ein Instrument herauszubringen, das auch für mittlere Theater erschwinglich ist un die dort noch sehr im argen liegende Orchesterfrage zu lösen fähig ist.

So entstand ein aus Orchesterharmonium und Celesta kombiniertes Wert, die Celesta-Orgel, das auf dem Prinzip aufgebaut ist , kleineren Orchestern von 4 bis 6 Mann das nötige Fundament zu geben, zweitens durch die Ersetzung schwer erhältlicher Stimmen (Holzbläser usw. usw.) das Orchester farbiger zu machen und drittens mittels Doppelexpression und spezieller Intonation auch ein Soloinstrument für Zwischenbegleitung zu schaffen.
Auch auf dem zweiten weichtigen Gebiete des Druckluftharmoniumbaues , dem kirchlichen, bietet die Firma wertvolle Anregung. Für die Schule  wie auch als Orgelersatz finden Harmonium in charakteristischer Orgelintonation mit und ohne Pedal Verwendung, wie sie auch hvon vielen Organisten und Lehrern erwünscht sind, um sich außerhalb der Kirche auf die Sonntägliche Begleitung vorzubereiten.