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created: 14-02-201

Update: 31-01-2012

 

 

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TECK HARMONIUM FABRIK

GESCHICHTE DER TECK-HARMONIUMFABRIK IN KIRCHHEIM UNTER TECK

von Prof. Dr. CHRISTIAN AHRENS | DIGITAL EDITION 2011 HARMONIUMNET/FRANS VAN DER GRIJN

Um 1800 begannen in mehreren Ländern Europas Instrumentenbauer, mit sog. durchschlagenden oder freischwingenden Zungen zu experimentieren, es entstanden die ersten Vorläufermodelle der späteren Mund- und Handharmonika sowie des Harmoniums. Die frühen Harmonium-Instrumente trugen phantasievolle Namen, u. a, Äoline; Äolidicon; Physharmonika; Orgue expressif (französisch:Expressiforgel); erst 1842 prägte der französische Orgelbauer Alexandre-Francois Debain (1809 - 1877) die Bezeichnung "Harmonium", die seit Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland auf alle klavierförmigen Instrumente mit durchschlagenden Zungen übertragen wurde.

Ursprünglich funktionierten die Harmonium -Instrumente ausschließlich nach dem von der Orgel übernommenen Druckwind-System, doch setzte sich seit den 1880er Jahren das aus den USA übernommene Saugwindharmonium in Deutschland immer mehr durch und verdrängte allmählich das bis dahin dominierende Druckwind-Modell. Da die Produktion von Harmoniums ständig zunahm, entstand eine größere Zahl von Harmoniumbaufirmen. deren Besitzer hofften, an dem wirtschaftlichen Aufschwung partizipieren zu können. Der Boom wurde zwar während des Ersten Weltkrieges unterbrochen - viele Firmen mußten die Harmoniumfertigung weitgehend oder gänzlich einstellen und "kriegswichtige" Bedarfsgüter, wie Munitionskisten, Betten herstellen, doch lief die Produktion schon bald nach Ende des Krieges wieder an. Selbst die Wirtschaftskrise konnte diesen Industriezweig in Deutschland nicht nachhaltig beeinträchtigen, wenngleich die Stückzahlen sich nur allmählich dem alten Stand annäherten. [1]

In Kirchheim unter Teck nahm die Pianofortefabrik Gebr. Kaim um 1900 die erstellung von Harmoniums auf, zum 1. 9. 1903 erfolgte die Gründung der eigenständigen Harmoniumbaufirma Kaim & Fritsche (ab 1. 4.1908: Ritz-Kaim), die jedoch Ende 1919 die Fertigung einstellen mußte. Ab 1. 1. 1920 führte die Firma Mayer & Truchsess [2]-dan Harmoniumbau weiter, nachdem sie Maschinen und Material sowie einige Mitarbeiter von Ritz-Kaim übernommen hatten.[3] Als zweite Firma wurde in Kirchheim unter Teck am 20.6.1925 die "Harmoniumfabrik. Gesellschaft mit beschränkter Haftung Kirchheim u. T." gegründet. Teilhaber mit einer Einlage von jeweils 3 400 RM waren: der Klavier- und Harmonium­händler Ernst Wissmann (geb. 9. 3. 1881 in Kirchheim unter Teck, gest. 8. 1, 1966 in Plochingen), der Schreiner und Harmoniumbauer Johannes Hepperle (geb. 10.3. 1882 in Neidlingen, gest. 28. 2. 1976 in Kirchheim unter Teck) sowie der Schreinermeister Immanuel Rietheimer (geb. 9. 6. 1886 in Kirchheim unter Teck-Otlingen, gest. 8. 11. 1966 in Kirchheim unter Teck). Während E. Wissmann die Erfahrungen im Umgang mit Kunden und Händlern sowie J. Hepperle die Fertigkeiten eines Harmoniumbauers einbrachte, steuerte I. Rietheimer neben seinen Kenntnissen als Schreiner nicht zuletzt die behördlich legitimierte Befugnis zur Ausbildung von Lehrlingen bei; er fungierte im übrigen als Werkmeister. Im Laufe weniger Jahre 'wuchs die Belegschaft des Betriebes ansehnlich, im Jahre 1928 waren etwa 13 Mitarbeiter beschäftigt.[4]

Teck Harmonium Fabrik Mitarbeiter

Die Herstellung erfolgte in der angemieteten ehemaligen Zigarrenfabrik von E. Laukhardt in der Stuttgarter (frühere Otlinger) Straße 72. [5]Bereits 1931 konnte J. Hepperle das Gebäude käuflich erwerben und auf dem zugehörigen Nachbargrundstück ein Privathaus errichten. Die Geschäfte gingen gut, der Harmoniumbau florierte, es wurden jährlich ca. 200 Instrumente gefertigt und in verschiedene europäische und überseeische Länder exportiert. [6]

Bemerkenswerterweise inserierte E. Wissmann im Kirchheimer Adreßbuch von 1925 als Mitinhaber einer weiteren Harmoniumfabrik unter dem Namen "Wissmann und Hepperle", als Adresse war ebenfalls die Oetlinger Straße genannt. Diese Firma existierte jedoch, wie die Eintragungen im Handelsregister ausweisen, überhaupt nicht. Da das Adressbuch wahrscheinlich zu Anfang des Jahres 1925 und damit vor der Gründung der "Harmonium fabrik Kirch­heim u. T." erschien, ist nicht auszuschließen, dass E. Wissmann und J. Hepperle ursprünglich beabsichtigten, zu zweit eine Harmoniumbaufirma zu gründen, und daß erst später der Entschluss gefasst wurde, I. Rietheimer als weiteren Teilhaber aufzunehmen - offenbar, weil er über die erforderliche finanzielle Liquidität verfügte. Darauf könnte der Umstand hindeuten, das I. Rietheimer bei Vertragsabschluss (20. 6. 1925) seine Geldeinlage bereits hinterlegt hatte, während E. Wissmann lediglich zwei Drittel in bar und den Rest in "Werten an beweglichen Sachen" entrichtet hatte und J. Hepperle die Hälfte seines Anteils erst zum 1. 7. 1925 einzahlen konnte. [7]

 

Teck Fabrik Gebäude

Nach Streitigkeiten unter den Teilhabern schied E. Wissmann zum 1. 4. 1930 als Mitinhaber und Geschäftsführer aus,[8] seine Einlage wurde von den beiden übrigen Gesellschaftern übernommen. Unmittelbar darauf gründete E. Wissmann eine eigene Firma, die "Harmoniumfabrik Ernst Wissmann".[9] " Dies bedeutete für die ehemaligen Teilhaber in der alten Firma eine harte Konkurrenz, da er Einblick in die wertvolle Kundenkartei gehabt hatte, über wichtige Verbindungen zu den Händlern verfügte, die er aufgrund seiner zahlreichen Geschäftsreisen ausnahmslos persönlich kannte, und überdies einen guten Überblick über die Marktsituation hatte.

Mit Wirkung vom 13. 10. 1937 wurde die Firma  "Harmoniumbau Kirchheim- Teck" aus steuerlichen Gründen in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt, Kommanditisten waren J. Hepperle und I. Rietheimer. Mit einer Einlage von 600 RM war an der Firma der Unterturkheimer Instrumentenhändler Eugen Roggenbauch, der sich als Pianoforte- und vermutlich zumindest zeitweise auch als Harmoniumfabrikant betätigte, als weiterer Kommanditist beteiligt. [10] Diese Beteiligung sollte das Handelshaus an die Harmoniumfabrik binden und den Absatz einer größeren Zahl von Instrumenten durch den Händler sicherstellen.

Zum 30.9.1938 kauften J. Hepperle und I. Rietheimer die Firma Theodor Truchsess (früher Mayor & Truchsess) auf.[11] Theodor Truchsess (1866 - 1951), der bei Schiedmayer in Stuttgart den Harmoniumbau erlernt und später dort als Harmoniumbauer gearbeitet hatte und anschließend 12 Jahre als Betriebsleiter bei der Firma Kaim & Sohn tätig gewesen war,[12] übernahm zum 1. 1. 1920 in eigener Verantwortung die von ihm geleitete Harmoniumabteilung,[13] nachdem die Firma Kaim & Sohn den Harmoniumbau aufgegeben und sich wieder ausschließlich dem Pianoforte bau gewidmet hatte. Th. Truchsess schloß sich mit dem Kaufmann Rudolf Mayer zusammen und gründete mit diesem die Firma "Mayer & Truchsess, Harmoniumfabrik" in der Jesinger Straße 22 und 22a; beide hatten sich bei gemeinsamer Tätigkeit in der Firma Kaim kennengelernt. Bereits 1923 schied R. Mayer aus der Firma aus, die hinfort als "Theodor Truchsess, Harmoniumfabrik" firmierte,[14] der Name "Mayer & Truchsess" aber wurde offenkundig noch eine gewisse Zeit weiter verwendet, wie Anzeigen im Adressbuch 1925 belegen. In den frühen 1920er Jahren arbeiteten bei Mayer & Truchsess u. a. Otto Barz, der sich 1938 selbständig machte, und Josef Hepperle; einige andere Kirchheimer Harmoniumbauer hatten schon vor 1914 ihr Handwerk bei Th. Truchsess erlernt.[15]

J. Hepperle übernahm den Firmennamen und die Kundenkartei von Th. Truchsess für 1.300 RM. Dies ist nicht zuletzt deswegen erstaunlich, weil ab 1934 der Harmoniumbau in eine Krise geraten war. Der Absatz stagnierte, weil die ästhetischen Normen und die Anforderungen an das Instrument sich gewandelt hatten. Galt das Harmonium, insbeson­dere das aus den USA übernommene Saugwind-Modell, zunächst als Ersatz für die Orgel, so bemühten sich insbesondere die Hersteller in Deutschland, ihm neue Einsatzbereiche zu erschließen, z. B. in der Hausmusik, aber auch der pädagogisch orientierten Jugendmusik.

Hierfür mußte das Instrument hinsichtlich seiner Disposition, also der Einrichtung seiner Register, wie auch der Intonation entsprechend verändert werden. Da man den Klang der amerikanischen Instrumente, der sog. "amerikanischen Orgeln", als süßlich und weiblich empfand, entwickelte man in Deutschland neue Zungenmodelle, die einen kräftigeren, dabei aber nicht schneidenden Ton hervorbrachten. Im Laufe dieser Entwicklung gewann seit den 1920er Jahren ein als "Orgelharmonium" bezeichnetes Modell immer mehr an Bedeutung, das nicht allein als Ersatz für eine kleine Kirchenorgel konzipiert war, sondern darüber hinaus speziell als Übeinstrument für Organisten. Es verfügte daher in der Regel über zwei Manuale und Pedal mit einer nur geringen Zahl an Registern, war aber dafür außerordentlich preiswert im Vergleich zu Hausorgeln. Im Zuge der Orgelbewegung wurde das Harmonium zunehmend als "Ersatz" etikettiert, es galt im Vergleich mit der Orgel als minderwertiges Instrument, zumal es einige Eigenheiten des spätromantischen Orgelbaus übernommen hatte und daher den veränderten Normen des Orgelbaus im 20. Jahrhundert nicht mehr entsprach.

Wegen der Krise im Harmoniumbau suchten viele Hersteller nach neuen Möglichkeiten, die Konjunktur anzukurbeln und bemühten sich, andere Produkte in die Fertigung aufzunehmen. Da aus naheliegenden Gründen der Orgelbau ausschied -lediglich jene Firmen, die sich auch zuvor bereits längere Zeit entsprechend betätigt und das Harmonium erst in der Zeit der großen Nachfrage in die Produktion aufgenommen hatten, konnten sich wieder auf die eigentlichen Ursprünge ihrer Arbeit konzentrieren -, kam als verwandtes Instrument vor allem das Klavier in Frage. Allerdings waren auch hier die wirtschaftlichen Bedingungen keineswegs günstig, und viele Firmen gaben den Einstieg in die Klavier-produktion rasch wieder auf, da diese in mancher Beziehung völlig andere Anforderungen stellte als die Harmoniumfertigung.

Anzeige Teck

Auch die Firma von J. Hepperle und I. Rietheimer experimentierte 1934/35 kurzzeitig mit dem Klavierbau.[16] Auslöser dafür dürfte nicht zuletzt die Tatsache gewesen sein, daß die einstmals renommierte Kirchheimer Firma Franz Kaim (damals: "Kaim-Pianoforte-Fabrik AG") im August 1933 ihre Pforten endgültig hatte schließen und den Klavierbau aufgeben müssen.[17] Der Versuch von J. Hepperle und I. Rietheimer, diese Tradition fortzuführen, scheiterte jedoch; das gute Dutzend produzierter Klaviere war nur schwer absetzbar und der Gewinn gering, daher stellten die beiden Firmeninhaber die Produktion von Klavieren rasch wieder ein. Erstaunlicherweise konnte man in Kirchheim unter Teck, anders als in den Fabriken Mitteldeutschlands, [18] die Harmoniumproduktion während des Zweiten Weltkrieges weiterführen, wenn auch mit verringerter Zahl der Arbeiter. Bis etwa Mitte 1942 lief die Produktion der Teck-Harmoniumfabrik von ca., fünf Instrumenten pro Monat weiter, wobei rund 15 Mitarbeiter (darunter neun Lehrlinge) eingestellt waren, danach sanken Beschäftigungszahl und Fertigungsziffern deutlich ab, ohne daß der Harmoniumbau je ganz zum Erliegen gekommen wäre.

Noch im Jahr 1945 wurden insgesamt 18 Harmoniums hergestellt, davon 12 nach Kriegsende.[19]

1942
1943
1944
1945
1946
1947
1948
1949
1950
1951

43
44
25
18
16
12
24
27
32
67

Um 1950 waren rund 14 Arbeiter tätig und die Fertigung bewegte sich wieder fast auf Vorkriegsni­veau. In den folgenden Jahren nahm die Produktion weiter zu und erreichte 1956 mit 143 Harmoniums ihren vorläufigen Höchststand.

Vom August 1958 an (letzte Fertigungs-Nr.: 3.230) bis zur Nr. 3.576 (vermutlich Ende 1960/ Anfang 1961) sind keinerlei Unterlagen erhalten; die entsprechenden Teile der Ausgangsbücher fehlen. Von Nummer 3.577 bis Nr. 3.976 finden sich zwar Angaben zum Abnehmer, nicht jedoch die Herstellungs-, bzw. Auslieferungsdaten. Im Januar 1963 beginnen die Aufzeichnungen wieder mit der Nr. 3.977, die Daten von 746 Instrumenten sind demnach nicht vollständig. Anhand der früheren und der nachfolgenden Produktionsziffern läßt sich rekonstruieren, daß die Jahresproduktion 1958 über der des vorhergehenden Jahres gelegen und damals annähernd 200 Instrumente erreicht haben muß, ehe sie zu Beginn der 1960er Jahre kontinuierlich sank und 1963 mit 76 Harmoniums einen vorläufigen Tiefpunkt erreichte. In den folgenden Jahren stieg die Fertigung wieder deutlich an und hielt sich bis 1970 auf relativ hohem Niveau, 1971 erfolgte ein drastischer Einbruch, der das allmähliche Ende der Harmoniumfertigung in Kirchheim unter Teck einläutete: [20]

1967 - 114
1968 - 113
1969 - 101
1970 - 90
1971 - 46
1972 - 41
1973 - 46

1974 - 35
1975 - 43
1976 - 35
1977 - 27
1978 - 27
1979 - 4

Zum Jahresende 1953 gaben J. Hepperle und i. Rietheimer aus Altersgründen den Harmoniumbau auf, die Firma wurde von den Gebrüdern Wilhelm (1912 - 1992) und Otto Hepperle (geb. 1924) übernommen. [21] Am 19. 4. 1955 erfolgte die Umbenennung der Firma (bis dahin: "Teck-Harmoniumfabrik, [22] Hepperle & Rietheimer KG") in "Teck-Harmoniumfabrik, Hepperle KG", da nunmehr ausschließlich Familienmitglieder von Hepperle Teilhaber des Betriebes waren. Während Wilhelm eine Lehre als Harmoniumbauer absolviert hatte und bereits seit längerem in der väterlichen Firma tätig gewesen war, hatte Otto den Beruf eines Feinmechanikers erlernt und bis dahin keine fundierten praktischen Erfahrungen im Harmoniumbau. Da Wilhelm sich eher zum. Kaufmännischen hingezogen fühlte, Otto aber ein besonderes Geschick in handwerklich-technischen Arbeiten, insbesondere mit dem Werkstoff Holz, hatte und die Brüder sich in ihrer Tätigkeit ergänzten, waren gute Voraussetzungen für die weitere Entwicklung der Firma gegeben.[23]
1955 übernahm die "Teck-Harmoniumfabrik" Material und Bestandteile von der Firma P. und R. Fischer (gegr. ca. 1914) in Schorndorf, die ihre Harmoniumproduktion aufgegeben hatte, kaufte 1967 den Betrieb von A. Schürer (gegr. 1947) in Kirchheim unter Teck auf und übernahm schließlich um 1975 diverse Materialien, darunter Zungen und Stimmstöcke, von der Firma E. Hinkel (gegr. 1880) in Ulm bzw. Liebenzell. nachdem auch diese ihre Produktion hatte einstellen müssen.[24]

Hatte man vor 1945 die notwendigen Bestandteile von verschiedenen Zulieferern in Süddeutschland bezogen (die Zungen z. B. von der Firma Ernst Silberhorn in Stuttgart), so mußte man nach 1945 auch Fabriken in der damaligen Ostzone und späteren DDR berücksichtigen; etwa die Firma Gebr. Dix [25] in Gera, die bereits seit dem Beginn des Jahrhunderts Zungen für Harmonium- und Harmonika-Instrumente gefertigt und 1941 die von Theodor Mannborg im Jahr 1911 begründete "Deutsche Harmoniumzungenfabrik" in Pegau übernommen hatte.[26] Angesichts des Währungsgefälles konnten die mittel- und ostdeutschen Firmen preiswerter liefern und damit den Herstellern in Westdeutschland gerade in jener Zeit, da die elektronischen Tasteninstrumente den Markt zu erobern begannen, einen entscheidenden Wettbewerbs verteil verschaffen. Freilich war man dadurch von politisch motivierten Umstrukturierungen abhängig, was sich  um 1975 negativ auswirkte und entscheidend zur Aufgabe des Harmoniumbaus durch den inzwischen als "Teck-Harmoniumfabrik" firmierenden Betrieb der Hepperles beitrug.

Johannes Hepperle 1959

Im Jahre 1975 bemühte sich eine Handels-Delegation der DDR darum, in Westeuropa Aufträge über Harmoniumzubehör im Gesamtwert von sechs Millionen Mark zu erhalten, um eine Auslastung der vorhandenen Maschinenkapazitäten gewährleisten zu können.[27] Hintergrund war die Erkenntnis, daß der Markt zunehmend unter der Konkurrenz elek­tronischer Orgeln litt und der Absatz von Harmoniums deutlich zurückging. Lediglich in jenen Ländern Europas, Asiens und Lateinamerikas, in denen qualitativ hochwertige und zugleich preisgünstige elektronische Instrumente nicht hergestellt bzw. wegen Devisenmangels nicht beschafft werden konnten, ließ sich das Harmonium weiterhin ver­kaufen. Die zuständigen staatlichen Institutionen in der DDR hatten daher die Einstellung der Großserien-Produktion ins Auge gefaßt, falls sich die Marktsituation nicht grundlegend bessern würde. Wie nicht anders zu erwarten, blieb die handelspolitische Initiative in Westdeutschland erfolglos, und so setzte man die bereits getroffenen Beschlüsse um. Die Maschinen zur Herstellung von Harmonium-Zungen, die Th. Mannborg 1911 aus den USA beschafft und in seinem Pegauer Werk aufgestellt hatte, waren 1969 von J. Weischet erworben worden, dem Inhaber der Firma Olof Lindholm in Borna bei Leipzig. Im Jahre 1972 aber wurde J. Weischet enteignet, seine Firma, wie zahlreiche andere auch, verstaatlicht und in den VEB Blüthner-Pianos in Leipzig (Teil des VEB Deutsche Piano-Union) eingegliedert. Dort hatte man wenig Interesse am Harmonium, zumal man der Meinung war, daß es sich bei diesem nicht um ein vollwertiges Musikinstrument handle, und reduzierte daher die Produktion von Zungen und anderen Bestandteilen drastisch. Im Jahre 1986 wurden die Maschinen zur Zungenherstellung endgültig verschrottet.[28]

Die Drosselung bzw. Einstellung der Zungenfertigung versetzte der Harmoniumproduktion in West-Deutschland einen herben Schlag, da jene Firmen, die die Bestandteile nicht selbst herstellten und daher vom Bezug von Produkten aus der DDR abhängig waren, in Lieferschwierigkeiten gerieten. Die Teck-Harmoniumfabrik Hepperle oHG stand vor der Entscheidung, sich die Zungen bei anderen Lieferanten zu beschaffen oder aber die Fertigung überhaupt einzustellen. Zwar lag aus Japan ein Großauftrag über die Lieferung von 120 Harmoniums vor, und die Bundeswehr wollte eine ebenso große Anzahl von transportablen Harmoniums bestellen, die für die Abhaltung von Gottesdiensten in den Garnisonsstandorten gedacht waren,[29] doch schätzten die Firmeninhaber die Perspektiven realistisch ein und glaubten, gegenüber der Konkurrenz der Elektronenorgel schließlich doch nicht bestehen zu können. Schweren Herzens entschlossen sie sich dazu, die Fertigung aufzugeben und lediglich noch die vorhandenen Materialbestände aufzuarbeiten sowie Reparaturarbeiten durchzuführen.[30]

Anfang 1989 wurde die Liquidation eingeleitet, die noch vorhandenen Materialbestände übernahm die Firma Steirer-Stahl in Bietigheim-Bissingen. [31] Zum 31. 12. 1990 erlosch die Teck-Harmoniumfabrik in Kirchheim, [32] damit ging ein bedeutsames Kapitel der Geschichte des Instrumentenbaus in dieser Stadt zu Ende. Wilhelm Hepperle überlebte das Firmenende nur um kurze Zeit und starb, 80jährig, am 2.8.1992.

Insgesamt wurden von der Teck-Harmoniumfabrik in den rund 50 Jahren ihres Bestehens 5.743 Harmoniums gebaut, [33] das entspricht einem Schnitt von ca., 115 Instrumenten jährlich. In der Zeit des boomenden Harmoniummarktes entstanden jedoch bis zu 250 Harmoniums im Jahr, in den Phasen des wirtschaftlichen Niedergangs sackte die Produktion auf nicht einmal 20 Instrumente ab.

Obschon im Handelsregister-Eintrag von 1925 ausdrücklich als Ziel des Unternehmens die Herstellung und der Vertrieb sowohl von Harmonium für Saug- und Druckluft also auch von allen zum Bau von Harmonium und-Piano erforderlichen Gegenstanden [34] angegeben war, wurden in Kirchheim ausschließlich Saugwindharmoniums hergestellt und, abgesehen von dem gescheiterten Versuch 1934, weder Klaviere noch deren Teile gefertigt. Die Modellpalette umfaßte neben kleinen, tragbaren Kofferharmoniums. die nur rund 30 kg wogen, sich zusammenlegen und in einer Kiste transportieren ließen sowie mittelgroßen, einmanualigen Harmoniums für das häusliche Musizieren auch größere Orgelharmoniums mit zwei Manualen und ausziehbarem Pedal, die für kleinere Kirchenräume oder Säle, in denen Gottesdienste abgehalten wurden, gedacht waren.

Für den südamerikanischen Markt, auf dem man der Lautstärke des Harmoniums besondere Bedeutung zumaß und weniger auf einen spezifischen Klang achtete, wurden Sondermodelle entwickelt, die über besonders stark intonierte Register (Oboe 8', Schalmei 8') verfügten.[35] Die Zungen dieser beiden Register waren nicht, wie sonst üblich, aus Messing gefertigt, sondern aus Stahl, bei den übrigen Registern hatte man eine klangverstärkende Intonation vorgenommen. Die entsprechenden Modelle trugen die Bezeichnung "Fortissimo" und hatten in der Endphase der Fertigung folgende Disposition.[36]

MODELL F 1 MODELL F 3
3 Spiele
5 Oktaven
11 Register
  5 Spiele
5 Oktaven
14 Register
 
Baß Diskant Baß Diskant
Diapason 8'
Diapason Dolce 8'
Bourdon 16'
Viola 4'
Viola Dolce 4'
Oktav-Koppel

Melodia 8'
Melodia Dolce 8'
Klarinette 16'
Flöte 4'
Flöte Dolce 4'

 

Piccolo 2'
Harfe 2'
Viola 4'
Viola Dolce 4'
Diapason 8'
Diapason Dolce 8'
Bourdon 16'
Oktav-Koppel
Piccolo 2'
Flöte 4'
Melodia 8'
Melodia Dolce 8'
Schalmei 8'
Klarinette 16'

Das Modell "Fortissimo" verfügte über ein elektrisches Gebläse, statt durch Kniehebel wurden die Register "Volles Werk" und "Forte" über zwei Fußtritte regiert.
Das Modell "Arie" war ein mittelgroßes Harmonium, bei dem man unter insgesamt 9 verschiedenen Dispositionen wählen konnte: von 1 bis .zu 6 3/5 Spielen und von 8 bis 24 Registern. Pedal-Harmoniums wurden in zwei verschiedenen Varianten ange­boten mit einem oder zwei Manualen, jeweils mit Schwell- und Tuttitritten.[37]

Modell P1 (ausziehbares Pedal)
6 Spiele
5 Oktaven FF-f3
16 Register (Pedal nur 16')
 
Baß Diskant
Piccolo 2'
Harfe 2'
Quinte 2 2/3'
Viola 4'
Viola Dolce 4'
Diapason 8'
Diapason Dolce 8'
Bourdon 16'
Oktav-Koppel
Piccolo 2'
Quinte 2 2/3'
Flöte 4'
Melodia 8'
Melodia Dolce 8'
Schalmei 8'
Klarinette 16'

 

Modell P2 (Ausziehbares Pedal)
Untermanual Obermanual Pedal
Baß Diskant Baß Diskant  
Diapason 8'
Diapason Dolce 8'
Viola 4'
Bourdon 16'
Melodia 8'
Melodia Dolce 8'
Flöte 4'
Klarinette 16'
Piccolo 2'
Oboe 8'
Schalmei 8'
Piccolo 2'
Oboe 8'
Schalmei 8'
Subbaß 16'
Choralbaß 4'

Während man in der "Teck-Harmoniumfabrik" vor 1945 gelegentlich Instrumente mit einer sog. Orgel-Disposition herstellte - d. h. neben den traditionellen Registern in 16'-, 8'- und 4' -Lage auch 2' -Register sowie eine Quinte 2 2/3' oder gar Mixturen einbaute, kehrten die Hepperles nach 1945 wieder zu den althergebrachten Harmonium-Dispositionen zurück. [38] Die einzigen Konzessionen waren eine Quinte 2 2/3 und ein 2' -Register, das jedoch in der obersten Oktave repetierend gebaut war (entsprechendes gilt für die unterste Oktave des 16' -Registers). Insbesondere für den lateinamerikanischen Markt wurden Harmoniums mit einem sog. Stummelpedal, wie es heute auch in elektronischen Orgeln Verwendung findet, angeboten, bei dem lediglich ein Register Subbaß 16' disponiert war. Bei den gewöhnlichen Harmonium-Modellen lief der Subbaß nur in  der untersten Oktave, von C an, mit. [39]  Bis zur Aufgabe der Produktion wurden die Instrumente der Teck-Harmoniumfabrik wahlweise mit Registerzügen oder Wippschaltern (Kipphebeln) ausgestattet, während man in Mitteldeutschland seit den 1950er Jahren fast ausnahmslos die vom Orgelbau vertrauten Wippschaltern bevorzugte. Hierin und in dem Verzicht auf elektronische Register, mit denen verschiedene andere Hersteller - allerdings zumeist erfolglos - experimentierten, manifestiert sich die konservative Haltung der Hepperles. Die Herstellung von Harmoniums [40] basierte, wie auch die von Klavieren, in einem hohen Maß auf Arbeitsteilung und Vorfertigung von Zubehörteilen. So wurden etwa die Stimmstöcke incl. der Zungen sowie Ventile, Federn und die Tastatur von Zulieferern nach Katalog bezogen, im Werk erfolgte dann das sog. "Zusammensetzen", d. h. das Einfügen der Bauteile in das Gehäuse sowie das Stimmen und Intonieren. Das Gehäuse wie auch die Balganlage wurden teils in der Firma selbst gefertigt, teils bei Schreinereien in Auftrag gegeben. In der "Teck-Harmoniumfabrik" stellte man jedoch zeitweise auch die Stimmstöcke und andere Einzelteile selbst her, sofern die Auftragslage dies gestattete und die Arbeiter nicht ausgelastet waren. Die Gehäuse der Harmoniums bestanden aus Tischler­platten 22 mm, die Front incl. Bedeckung aus Tischlerplatte 16 mm. Als Normalausführung wurde Eichenfurnier angeboten, doch konnten auch andere Furniere gewählt werden. Das Holz war entweder naturbelassen und wurde dann grundiert und mattiert bzw. poliert oder nach dem Wunsch des Abnehmers gebeizt.

Nach der groben Fertigstellung des Gehäuses wur­de das Werk wieder ausgebaut und kam zum Harmoniumstimmer, der die in der Fabrik bereits vorgestimmten (und zwar höher als gewünscht eingestimmten) Zungen einzeln auf einem Feil Bock bearbeitete. Durch Feilen wurden die Zungen auf die endgültige Tonhöhe gebracht und die gewünschte gleichschwebende Temperatur, bei der alle Halbtonschritte innerhalb der Oktave die gleiche Größe haben, gelegt. Anschließend wurde das Werk eingebaut und die Stimmung erneut überprüft und ggf. korrigiert, zudem versah man alle beweglichen Teile mit einem Spezialfett, das nicht in das Holz, einziehen konnte.

Familien Hepperle

Es erfolgte das Montieren und Justieren der Tastatur und der Mechanik, danach wurde das Gehäuse endgültig geschlossen und sodann das Instrument zum Transport in eine Kiste oder einen Bretterverschlag verpackt.

Der Vertrieb von Harmoniums wurde überwiegend durch Händler abgewickelt, von denen einige feste Abnahmeverträge zu besonderen Konditionen abschlossen. Nur ein geringer Teil der Instrumente wurde im Direktverkauf vertrieben, bei dem natürlich die Gewinnspanne größer war. Die Kontaktpflege mit den Händlern setzte eine rege Reisetätig­keit voraus, die zunächst E. Wissmann wahrnahm. Nach der Trennung von E. Wissmann versuchten J. Hepperle und I. Rietheimer, durch Aufnahme von E. Roggenbauch in Stuttgart als Kommanditisten die Verbindung zum Handel zu intensivieren. Allerdings erhielt E. Roggenbauch damit eine monopolartige Stellung, die es ihm erlaubte, besondere Zahlungsbedingungen in Anspruch zu nehmen, indem er den Barzahlungsrabatt auch dann abzog, wenn er die vereinbarte Frist nicht einhielt. Vielfach bezogen Instrumentenbaufirmen. darunter nicht wenige Orgelbauer, Harmoniums von Fremdherstellern, verkauften sie aber unter eigenem Namen, so daß diese Betriebe in der Literatur zu Unrecht als "Harmoniumhersteller" bezeichnet werden. Dies trifft u. a. auf folgende Firmen zu, die Instrumente von "Teck-Harmoniumbau" vertrieben: Ahlborn & Steinbach (Heimerdingen), Cleve & Pick (Frankfurt a. M.), Harmoniumbau Peter (Reut­lingen), C. Schwarzkopf (Trossingen bw. Crailsheim). Daneben führten auch die meisten größeren Instrumenten-Handelshäuser-z. B. Brüning & Bongardt (Wuppertal), Fischer (Schorndorf), W. Renner (Stuttgart) - Modelle der "Teck-Harmoniumfabrik", die überdies u. a. intensive Geschäftsbeziehungen zur bereits 1893 gegründeten Firma E. A. Roethinger in Straßburg unterhielt. In den 1950er und 1960er Jahren war auch die Firma Johannes Klais Orgelbau in Bonn Abnehmer von Instrumenten aus der" Teck-Harmoniumfabrik", doch handelte es sich nur um wenige Exemplare.[41]

Exportiert wurden die Instrumente der Teck-Harmoniumfabrik u. a. in folgende Länder: [42] Portugal, Spanien, Italien, Beneluxstaaten, Island: Syrien, Libanon, Peru, Madagaskar.

Nach 1960 lassen die Ausgangsbücher einen drastischen Rückgang der Exportziffern erkennen, was seine Ursache offenkundig darin hatte, daß zunehmend Händler beliefert und der Direktversand weitgehend eingestellt wurden. So gingen relativ viele Instrumente - darunter auch Koffer- und Tropenharmoniums sowie kleine, vor allem für Missionsstationen bestimmte Modelle mit nur vier Oktaven Umfang - an die Firmen Cleve (Cleve & Pick), Brüning & Bongardt, E. Roggenbauch bzw. an Missionseinrichtungen in Europa, die sie an Empfänger in Übersee weiterleiteten; das eigentliche Bestimmungsziel ist jedoch unbekannt.

Blueprint Harmonium

 

 

 

ANMERKUNGEN

[1] Vgl. hierzu Christian Ahrens. Gregor Klinke (Hrsg.), Das Harmonium in Deutschland. Bau. wirtschaftliche Bedeutung und musikalische Nutzung eines historischen" Musikinstrumentes, Frankfurt/M. 1996, Einleitung und 2. Kap.
[2] Später Theodor Truchsess; zum 30. 9. 1938 von der Teck-Harmoniumfabrik übernommen.
[3] Außer der Teck-Harmoniumfabrik fertigten noch folgende Betriebe in Kirchheim unter Teck Harmoniums: Ernst Wissmann (gegr. 1930); Otto Barz (gegr. 1938); Albert Schürer (gegr. 1947; 1967 aufgekauft von der Teck-Harmoniumfabrik).
[4] Information von Otto Hepperle. Als amtliche Quellen standen Eintragungen im Handelsregister (im folgenden: HRII bzw. HRA) sowie im Adreßbuch Kirchheim unter Teck zur Verfügung. Zahlreiche Informationen stammen von Otto Hepperle (im folgenden: IHe), dem letzten Inhaber der Firma Teck-Harmoniumfabrik dessen einschlägiges Quellenmaterial ebenfalls eingesehen werden konnte. Herrn Otto Hepperle und Herrn Rainer Laskowski M.A. seien für Ihre Bereitschaft, Dokumente und Archivmaterial zur Verfügung zu stellen, sowie für viele Informationen herzlich gedankt.
[5] Irrtümlich war im Adreßbuch 1925 und noch in späteren Ausgaben die Hausnummer mit 74 angegeben worden.
[6] IHe.
[7] Gesellschaftsvertrag vom 20. Juni 1925 (Verwahrungsbuch Nr. 24/1925), S. 2.
[8] HRII, Nr. 198.
[9] HRII, Nr. 493.
[10] HRII, Nr. 198.
[11] HRII, Nr. 145.
[12] IHe.
[13] IHe.
[14] HRII, Nr. 145.
[15] IHe.
16 IHe.
[17] Vgl. Rainer Laskowski, Hof-Pianoforte-Fabrik Kaim im Zentrum des Interesses, in: Der Teckbote Nr. 99, 30. 4. 1994.
[18] Vgl. hierzu C. Ahrens, G. Klinke (Hrsg.), Das Harmonium in Deutschland, 2. Kap. I -IV.
[19] Ausgangsbücher (erhalten: Mai 1935 - Fabrikations-NT. 1.670 - bis zum Firmenende 1979) der Firma Teck-Harmoniumfabrik; im Besitz von Otto Hepperle.
[20] Als letzte größere Firma in Deutschland stellte Olof Lindholm in Borna bei Leipzig 1990 die (damals nur noch sehr kleine) Fertigung von Harmoniums endgültig ein. Bis heute werden allerdings bei Steirer-Stahl in Bietigheim-Bissingen bei Stuttgart Harmoniums auf Anfrage hergestellt.
[21] HRII, NI. 198.
[22] Auf Briefköpfen der 1950er Jahre lautete übrigens die Schreibweise auch: "Teckharmoniumfabrik".
[23] Wilhelms Tätigkeitsbereich waren Büroarbeit, kaufmännische Arbeiten sowie Intonieren und Stimmen, Otto war zuständig für Konstruktion und Fertigung, übernahm überdies auch das Intonieren und Stimmen (IHe),
[24] IHe.
[25] IHe
[26] Vgl. hierzu C. Ahrens. G. Klinke (Hrsg.), Das Harmonium in Deutschland, 2. Kap. 1.2.
[27] IHe
[28] Vgl. C. Ahrens, G. Klinke (Hrsg.), Das Harmonium in Deutschland, 2. Kap. f. 2 und Il,
[]29] IHe.
[30] In den letzten Jahren egalisierte die Zahl der Reparaturen jene der Neubauten (IHe).
[31] IHe.
[32] HRA 589.
[33] Im ganzen dürften, nach Angaben von Otto Hepperle in Kirchheim unter Teck im Laufe der Jahrzehnte ca. 15 000 Harmoniums hergestellt worden sein. Lediglich die Firma Kaim erreichte mit ca. 5 000 Harmoniums annähernd den Produktionsumfang der Teck-Harmoniumfabrik, die Stückzahlen von A. Schürer (rund 2 000), E. Wissmann (rund 1 200), Th. Truchsess (rund 700) und O. Barz (rund 200) lagen erheblich niedriger.
[34] HRII, Nr. 198.
[35] IHc.
[36] Katalog von 1974/75. Die Schaltung der Register konnte wahlweise über Kipphebel (von der Firme etwas missverständlich als Druckregister bezeichnet) oder die in der Teck Harmoniumfabrik bevorzugten Zugvorrichtungen erfolgen.
[37] Katalog von 1974/75.
[38] IHe
[39] Katalog von 1974/75.
[40] Die Angaben stammen, ebenso wie die nachfolgende Abbildung. von Otto I Epperle, der den gesamten Herstellungsprozess ausführlich geschildert hat. Die entsprechenden Unterlagen befinden sich im Besitz des Museums Kirchheim unter Teck.
[41] Die Firma J. Klais vertrieb hauptsächlich Harmoniums von Th. Mannborg und O. Lindholm (freundliche Mitteilung von Herrn Hans Gerd Klais. Bonn).
[42] Entsprechende Angaben finden sich in den Ausgangsbüchern erst ab Mai 1948.

 

LITERATURVERZEICHNIS

Laskowski, Rainer: Hof-Pianoforte-Fabrik Kaim im Zentrum des Interesses, in: Der Teckbote Nr. 99, 30. 4.1994.
Ahrens, Christian; Klinke, Georg (Hrsg.). Das Harmonium in Deutschland. Bau, wirtschaftliche Bedeutung und musikalische Nutzung eines historischen" Musikinstrumentes, Frankfurt /M., 1996.

 

 

Reform Harmonium 1927 Teck Harmonium Fabrik

Der Harmoniumfreund| 1927 | 1. Jahrgang | Nr. 3 |Seite 46 |Digital edition www.harmoniumnet.nl  |Frans van der Grijn | 20-02-2011

Die Inhaber vorstehender Harmoniumfabrik, die Herren Wißmann, Hepperle, Rietheimer, haben ein Reform-Harmonium auf den Markt gebracht, dessen Neuerung darin besteht, daß außer der üblichen Disposition des bekannten Normal-Harmoniums zwei Halbspiele eingebaut sind und zwar: ein 16'Register im Umfang von 2 Oktaven C-h im Baß mit Abschwächung (Solo-Baß 16'und Bourdon 16'als Abschwächung zarter klingend)sowie im Diskant: ein stark hervortretendes 8' Register (Diskant-Solo 8'). Werden die beiden Register: Baß-Solo 16' und Diskant-Solo 8' gezogen, so spricht in Baß stets nur der letzte Baßton und im Diskant nur der höchste Ton an, gleichviel ob man einen mehrstimmigen Akkord oder nu zwei Töne anschlägt.

Diese Neuerung ist bei allein gezogenen Registern natürlich nicht anwendbar. Sobald man ein Register der sonst üblichen Disposition des Normal-Harmoniums hinzuzieht, so erklingen diese Register im Akkord wie stets, außerdem aber tritt alsdann sehr wohltuend ein sonorer oder bei Wahl des Bourdon-Registers ein zarter Grundbaß hinzu, jedoch nur im tiefsten Ton jeden Akkordes.

Im Diskant erfolgt das Gleiche, nur mit dem Unterschied, daß hier stets der höchste Ton des Diskant-Solo 8' Registers melodieführend hervortritt, vergleichbar mit einer Sopranstimme in einem Quartett-Gesang.

Der Umfang des Diskant-Solo-Registers ist 2 1/2 Oktaven c-f. Um dieses Register auch akkordisch spielen zu können, enthält das Instrument noch einen Registerzug "Orchestrale" genannt, welcher in üblicher Weise die Benützung derselben Zungenreihe gestattet.

Die 3 1/2 Spiel-Disposition eines Normal-Harmoniums  also erweitert sich durch diese Neuerung auf ca. 4 1/2 Spiele.  Die Firma baut auf Wunsch diese Neuerung auch getrennt, entweder nur für den Baß (Mehrpreis M 170,00) oder für den Diskant allein (Mehrpreis M. 90,00). Für beide Speil-hälften in Summa (Mehrpreis M. 260,00).

Zweifelllos lassen sich ganz eigenartige Effekte hiermit erreichen, die z.B. an das Spiel auf einem Kunstharmonium unter Einschaltung des sich selbst auslösenden Prolongement erinnern bei geteilter Bass-Registratur.

Vielleicht wäre es vorteilhafter diese Modelle mit 5 Oktaven-Klaviatur C-c zu bauen, um alsdann auch die Prolongements-Einrichtung hinzunehmen zu können, natürlich mit Hackenregister-Auslösung. Geteilte Forte-Einrichtung (Baß- und DiskantKnieschweller) Sowie Grand-Jeu Hackenregister wären dann aber ebenfalls  anzuraten.

Im Diskant wird man an die Wirkungen des doppelten Tastenfalles erinnert, wo man es auch erreichen kann, daß man den höchsten Ton durch hinzuschaltung eines unter der Klaviatur liegende Spieles hervorheben kann, indem man die Taste dann ganz niederdrückt, während die Tasten für die Begleittöne des Akkordes nu halb niedergedrückt werden dürfen.

Die Fabrik hat dieses neue Modell im Harmoniumhaus Carl Simon, Berlin W35, Steglitzer Straße 35 ausgestellt, wo es jederzeit besichtigt und geprüft werden kann.
Die saubere Arbeit und die klanglich schöne Intonation wäre noch lobend zu erwähnen.
Der Preis stellt sich nicht teurer, als der eines normalen 4 1/2 Spiel-harmoniums.