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update: 23-04-2014

 

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BOOK ON SCHIEDMAYER

 

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Lust und Leben - Die beiden Schiedmayer in Erlangen

Erlanger Heimatbuch

Die beiden Schiedmayer


(Balthasar & Johann David)

 

So schnell wie heutzutage eine kaum bekannt gegebene Erfindung verbessert und verbreitet wird, ging es nicht mit dem Gravecembalo col piano e forte - dem Hammerklavier, wie es die Deutschen später nannten - des Paduaners Bartolomeo Christofori.

Hatte man bei den bisher beliebten bescheideneren Tasten-Instrumenten Clavichord und Spinett durch Metall- oder Ledertangenten die Saiten zum Klingen gebracht, oder diese mit Rabenfeder-Kielen angerissen, so wurde beim neuen “Pianoforte" die Saiten mit Hämmerchen angeschlagen, die stets schnell in ihre alte Lage zurück fielen. Als weitere Verbesserung kam dazu noch eine Vorrichtung, um das Nachklingen der Saiten zu verhindern. Wohl war die wichtige Erfindung schon 1711 im "Giornale dei letterati d'Italia" angezeigt worden, aber erst nach Jahrzehnten fand sie in Deutschland Eingang. Hie und da befasste man sich damit: In Nordhausen arbeitete Schröter, nach ihm in Dresden Silbermann; aber erst dessen Schüler Georg Andreas Stein in Augsburg, der 1728 bis 1792 lebte, verbesserte sie so sehr, dass die älteren Instrumente vollständig von dem Pianoforte verdrängt wurden. Mehr im Stillen wird sich so mancher andere auch mit Versuchen befasst haben, und einen solchen "Bastler", der keine Lehre bei einem Instrumentenmacher hinter sich hatte, dürfen wir wohl auch in dem Erlanger Bürger Balthasar Schiedmayer annehmen. Von ihm und seinem Sohne Johann David soll in folgendem berichtet werden.

In dem bescheidenen Bürgerhause Nr. 619 Haismarkt jetzt als Theaterplatz Nr. 27 bezeichnet, ist während der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert der erste Ruhm des Namens erblüht, der heute noch weiterlebt, wenn auch nicht hier, so in Stuttgart in der weltbekannten Firma Schiedmayer & Söhne. Sie wirkt noch heute im Klavierbau, dem Berufe der Erlanger Ahnen, weiter.
Die Schiedmayer mögen einstmals zu mehreren aus Österreich gekommen sein und sich in Franken an verschiedenen Orten nieder gelassen haben, sie können aber auch echte Franken sein. Genau weißt man das nicht. Sicher ist nur, dass Johann Schiedmayer, Maurer und Steinmetz, im Jahre 1652 mit Weib und Kindern und andere Verwandten um seines Glaubens willen von St. Peter in Österreich aus „in das Exilium“ ging und in unsere Gegend entweder fremd einwanderte, oder als früherer Auswanderer zurückkehrte. Ein Sohn Veit lernte später als Weißbäcker, machte sich in unserem Nachbarort Frauenaurach ansässig, gelangte dort zum Range eines „Hofbäckers“ und starb als Bürgermeister im Jahre 1722. Von seinen sieben Söhnen ergriffen zwei den väterlichen Beruf. Der eine blieb daheim, der andere strebte nach Erlangen, wo auch er Hofbäcker wurde und Bürger unserer Altstadt. Am 2. Dezember 1710 heiratete er des Stadtmüllers Gebhard Tochter Elisabeth; und der erste Sohn dieser Ehe, am 25. Oktober 1711 geboren, war Balthasar, dem nachmals das Haus am Haismarkt gehörte. (Hais: altdeutsch für Weißes Mehl)

Der junge Balthasar lernte als ehrsamer Schreiner. 1751 nennt ihn Müller in seinem „Grundriss“ als Meister des Handwerks, der „an der Reuth-Schule“ wohnt.


Müller, Johann Caspar:  Grundriß Der Hochfürstlich Brandenburgischen Hauptstadt Erlangen nach Dem größesten Teil ihrer dermahligen Einwohner, 1751 [Online Edition / http://digitale.bibliothek.uni-halle.de/vd18/content/titleinfo/4424811 ] (Seite 42 / Acrobat Seite 47)
Schreiner Erlangen-01.jpg
Balthasar Schiedmeyer, w(ohnt) an der Reuth-Schule“

Er muss sich als ganzer Mann in seinem Leben und bei seiner Arbeit erwiesen haben, denn anfangs der siebziger Jahre ist er geschworener Meister, also der erste Vertreter seines Berufes. Daher begegnet man seiner Namens-Unterschrift mehrfach in jenen dicken Aktenbünden, worin die Entwürfe zu den Ordnungen des Schreinerhandwerks samt den dazu gehörigen vorhergehenden Eingaben um die Bestätigung ruhen. Auch auf einem im städtischen Archiv aufbewahrten Entwurf eines Barockschrankes befindet sich in Klaren Schriftzügen der Vermerk „Anno 1774 den 16. August ist dieser Riss visitiert und justifiziert worden. Balthasar Schiedmayer Geschworner.“ Dieser Riss gehört zu irgend einem Meisterstück, wofür die Ordnung einen Schrank, ein Brettspiel und einen Fensterrahmen verlangte. Schon 1699 forderte man als erstes „einen Kalter, welcher mit Kolumnen Korinthisch geziert, oben und unten ausgeladen“. Dieser Vorschrift entsprach noch nach ¾ Jahrhundert der erwähnte Entwurf.

In Erlangens zweitem Einwohnerbuch vom Jahre 1775, in Freyeslebens „Jetztlebenden Erlangen“ finden wir nun, dass aus dem Schreiner Schiedmayer auch ein „ Orgel- und Klaviermacher“ geworden ist, wenn auch kein auf das Ober- und Unterland privilegierter, wie Johann Nicolaus Ritter, der „Herr“ genannt wird, und nicht „Meister“, und als Künstler, nicht als Handwerker galt. Mag sein, dass Meister Balthasar gelegentlich für einen Instrumentenmacher gearbeitet hat, denn letzteren durften ja, sofern nicht privilegiert waren, die Schreinerarbeit an Orgeln und Klavieren nicht selbst ausführen. Sie wären sonst als „Stümpler“ bestraft, ihre Arbeit vernichtet, ihr Werkzeug ihnen genommen worden, so wollte es die Ordnung der Schreiner. Als tüchtiger Handwerker hatte einer es wohl bald heraus, ein gutes Instrumentenkorpus herzurichten; von da ist der Weg zu eigenen Versuchen nicht weit wenn Lust und Liebe dabei find.

Solch‘ eigenes Proben und Lernen muss aber bei Balthasar Schiedmayer schon manches Jahrzehnt zurückgelegen haben, denn wenn man sich ein wenig in der Literatur umschaut, so findet man ein Lob unseres Meisters in Christian F. Daniel Schubarts „Schicksalen“.
Dieser später so unglückliche Mann war 1758 ein toller Student, aber auch, wie er selbst sagt, der beste Flügelspieler und Dichter in Erlangen gewesen, und er lobt den musikalischen Geist der damaligen Zeit in unserer Stadt. Seiner vielen Schulden halber kam er einmal auf Veranlassung seiner Gläubiger ins Karzer, wo er 4 Wochen bleiben musste und doch bei den Besuchen seiner Freunde, einer zärtlich mit Tränen ihn beklagenden Freundin, „bei einem Guten Klavier von Schüttmaier“ und in der Gesellschaft seines Leichtsinnes „die Schande des Gefängnisses beinahe vergaß“. Das hier gelobte Instrument wird aber vermutlich noch als Clavichord oder Kielflügel alter Art anzusprechen sein und kaum ein Versuch eines Hammerklaviers darstellen.

Um diese Zeit mag wohl der älteste Sohn Schiedmayers, der 18 Jährige Johann Christoph Georg, in der väterlichen Werkstatt schon mitgeholfen haben, der sich später in Neustadt an der Aisch ein eigenes Orgel- und Instrumentengeschäft gründete.

Der etwa 3 Jahre jüngere zweite Sohn, Adam Achatius, blieb in der Vaterstadt und machte eine eigene Werkstatt auf, um darin Pianofortes von großem Umfange und nach Stein’scher Art zu bauen. Auch er hinterließ einen Sohn und Nachfolger seines Berufes, namens Johann Erhard, der schon 1821 starb.

Adam Achatius und Johann Erhard werden im amtlichen Schriftstücken sowohl als „Schreinermeister“ wie als „Instrumentenmacher“ bezeichnet.

Waren die Genannten auch alle tüchtige Vertreter ihres Faches, zur wirklichen Berühmtheit, an der die Schilderer unserer Stadt nicht stillschweigend vorübergehen konnten, und den in ihren Tagebüchern du Briefen zu erwähnen sie nötig fanden, hat sich erst Balthasars Jüngster, der am 20. April 1753 geborene Johann David entwickelt. Dessen Lebens - und Werdegang zeichnet in trefflicher Weise Alexander Eisenmann in der 1909 erschienenen Festschrift der Firma Schiedmayer & Söhne, Hofpianofortefabrik Stuttgart, zu ihrem dortigen hundertjährigen Bestehen.* [Mit Erlaubnis der Firma durften wir dem Werke das auf Erlangen Bezügliche entnehmen.]

Der Vater schickte ihn in die beste Lehre, die es gab, nämlich nach Augsburg zu Stein, der damals schon in höchstem Ansehen stand. Seine Klaviere waren freilich nicht unter 300 Gulden zu haben, aber dafür war an sie unendliche Mühe und Sorgfalt gewendet. Mozart spricht davon 1777 in einem Briefe an seinen Vater mit begeisterter Anerkennung. Die Instrumente seien mit Auslösung gemacht und „da gibt sich der hundertste nicht damit ab“, obwohl sie sonst „schebern“ oder nachklingen; weiterhin rühmt er „seine Hämmerl, wenn man die Claves (d.h. die Tasten) anspielt, fallen in dem Augenblick, da sie an die Saiten hinaufspringen, wieder herab, man mag den Clavis liegen lassen oder nicht“, und auch die Dämpferhebung ist bei Stein „besser als bei den andern“.

Unter solchem Meister konnte also Johan David in dreijähriger Gesellenarbeit, von 1778 - 1781, weiterhin alles kennen lernen, was zu seinem Berufe gehörte.

Stein wusste seinen hochbegabten Mitarbeiter wohl zu schätzen, und als dieser im Sommer einmal Lust bezeigte, den Wanderstab weiter zu setzen, versprach Stein ihm höheren Lohn, nämlich 2 Gulden und 24 Kreuzer in der Woche nebst reichlicherem Bier- und Frühstundengeld, wie Johann Davids Arbeitsbüchlein ausweist, das von der Firma Schiedmayer als Familienheiligtum gehütet wird.

Im Jahr 1781 scheint Balthasar Schiedmayer gestorben zu sein und im gleichen Jahr zog es den Sohn in die Heimat zurück., wo er eine eigene Werkstätte gründete.  Das Elterliche Haus übernahm Adam Achatius  am 22. Dezember  1781 von seinen Geschwistern für den Preis von 500 Gulden.
1782 holte Johann David sich die jüngste Tochter Eleonore Wilhelmine des Hochfürstlich Brandenburgisch-Kulmbachischen Kamer-Lakaien Andreas Klein als seine Hausfrau Heim.

Seine technischen Leistungen wurden erstaunlich rasch anerkannt. Zwar Friedrich Nicolai, der Berliner Buchhändler, wird, als er 1781 be einer Reise durch Deutschland und die Schweiz auch Erlangen berührte und seinem Reisetagebuche die etwas trockene Bemerkung einfügte:

„Ein Musikalischer Instrumentenmacher Schiedmayer ist in der dortigen Gegend wegen seiner Fortepiano berühmt“,wohl den Vater oder den älteren Sohn, nicht den eben erst lebhaft gewordenen jüngeren, gemeint haben. Aber die Einträge aus Johann Davids Arbeitsbuch zeigen, dass man nach kürzester Zeit die von ihm hergestellten Flügel im Norden und Süden, Westen und Osten, weit über den Umkreis der engeren Heimat hinaus, anerkannte. Doch auch die große Liebe, mit der er an den von ihm mit aller Sorgfalt und Genauigkeit , meist ganz allein oder höchstens mit Hilfe eines einzigen Gesellen gefertigten Instrumenten hing, geht aus den Auszeichnungen hervor.

Zu den ersten von ihm hier gearbeiteten Flügeln schreibt er: „Das erste Instrument was ich gemacht habe, hat bekommen Herr von Langenmantel ein Ratsherr in Augsburg, es ist dahin geschickt worden d. 10. August 1781; Preis 250 Fl.
Das zweite war vor die Durchlauchtigste Frau Markgräfin bestimmt und ist derselben überbracht worden den 13. Dezember 1781. Der Preis 320 Fl.
Das 3te bekam Herr Georg Christoph Schumacher ein Cotton Fabrikant in Augsburg und ist van hier abgeschickt den 27. April 1782 (200 Fl.), da ich zwar selbst dahin gereist bin meines Freundes Schumacher zu lieb, wo ich alsdann das unverhoffte  Glück gehabt habe, den Heiligen Vater Pabst aus Rom zu sehen.
Das fünfte Instrument kam schon über Deutschlands hinaus zu einem Musikkenner in Reichenberg in Böhmen, andere gingen nach Triest, nach Livorno, nach Riga. Aus Leipzig, Hamburg und vielen andern Orten kamen die Bestellungen. Der berühmte Dresdener Komponist Naumann besaß einen Schiedmayer Flügel, und der Klaviervirtuose Häßler in Erfurt spielte auf einem Schiedmayer‘schen Klavier. Gelegentlich ereignet es sich aber auch, dass der Meister in sein Büchlein schreibt: „Schade vor die schöne Arbeit“, denn das neue Instrument erhielt „ein Dummkopf in dem Ratzenest Fürth“.

Es ist also die ganz nüchterne Festlegung einer Tatsache, wenn 1791 Johann Georg Friedrich Papst, ordentlicher Professor der Weltweisheit, in seinem Büchlein „Gegenwärtiger Zustand der Friedrich-Alexanders-Universität zu Erlangen schreibt: „Am berühmtesten mach sich unter allen hiesigen Künstler der Hofinstrumentenmacher Schiedmayer, dessen Fortepianos schon in die enternesten Gegenden von Norden und Süden verkauft, und da, wo sie hingekommen, bewundert worden sind.“ Und auch der sonst so kritische Rebmann spendet ein Jahr später in seinen „Briefen über Erlangen“ das Lob „Der Künstler, den ich Ihnen nennen muss, heißt Schiedmayer. Seine Fortepianos sind auch im Ausland weit und breit gesucht.  Sie lassen sich behandeln , wie das leichteste Klavier, verbinden mit der Stärke eines Flügels den sanften Ton einer Harmonika, und geben vom leisesten Piano bis zum Fortissimo jede Abstufung ohne Züge. Die äußere geschmackvolle Arbeit entspricht ihrem inneren Wert. „ Freilich, da der Verfasser unsern Meister anerkennen muss, so gibt er dabei wenigstens den Erlanger Mittbürgern einen Tadel in dem Nachlass: „In Erlangen, wo Verdienste bloß nach der Größe einer Allongen-Perücke abgemessen werden, wird dieser Mann weniger ausgezeichnet , als er es verdiente.“

Die Preise für einen Flügel bewegten sich zwischen 200 und 650, später sogar 900 Gulden, bezw. 95 bis 100 Dukaten, 40 bis 70 Louis d’Or usw., je nach Größe, Ausführung oder Art des Holzes. Das erste Klavier, d.h. ein kleines viereckiges Instrument, entstand 1784 und bracht 50 Gulden ein.

Ein bescheidenes Nebengeschäft erwuchs aus dem trotz aller Verbesserungen den Hammerklavier noch immer anhaftenden Mangel, das es recht oft des Stimmens bedürfte. Bei der damaligen Art des ganzen Aufbaues konnten sich eben äußere Einflüsse viel leichter unliebsam bemerkbar machen, als bei der jetzigen Konstruktion mit Eisenrahmen. Der bare Gewinn solcher Arbeit war freilich nicht groß, gewöhnlich wurden 24 Kreuzer bezahlt; dafür gab es aber auch in ganz vornehmen Häusern oft nur einen Dank als Lohn wie das Tagebüchlein treulich vermerkt.

Hie und da steht auch einiges über die Gesellen verzeichnet; der eine lief mehrfach davon, kam aber immer wieder und wurde aufgenommen. Beim vierten Mal jedoch schreibt Johann David endlich, dass jener „auf eine solche grobe Art, wie ein rechter grober Bauernflegel der ganz keine Lebensart hat“ Abschied genommen habe. Gekränkt fügt er hinzu: „Er soll aber auch aus meinem Register der Freundschaft ewig vertilget sein“.

Allmählich wuchsen die Söhne heran und halten dem Vater im Geschäft. Sein ganzes Talent und seiner Arbeitseifer hatte besonders Johann Lorenz geerbt, was ihn dazu befähigte, das väterliche Vermächtnis immer weiter auszubauen und zu pflegen. Er war es, der gemeinsam mit einem Freunde nach einigen Wanderjahren in Stuttgart die jetzt blühende Firma begründete.

Johan David Schiedmayer verließ unsere Stadt i. J. 1797, um nach Nürnberg überzusiedeln. Er tat dies angeblich deshalb, weil der Schreiner, der hier für ihn gearbeitet hatte, gleichfalls nach Nürnberg gezogen war, und dessen genaue Arbeit er nicht missen wollte. So berichtet wenigstens Ernst Ludwig Gerber in seinem 1812-1814 erschienenen Neuen Tonkünstler-Lexikon, der in der Vorrede zu seinem Werke als Höchstleistungen des derzeitigen Instrumentenbaues die Orgel in der Michaelis Kirche zu Hamburg und ein David Schiedmayersches Fortepiano anerkennt.

Die Zahl der Bestellungen wuchs mehr und mehr. Um die Wende des Jahrhunderts hatten sie sich so gehäuft, dass für 8 Jahre Arbeit gewesen wäre. Aber schon am 24. März 1805 nahm der Tod den schaffenseifrigen Mann aus seinem Erfolgen reichen Dasein, das leider seit Jahre unter wechselnder Kränklichkeit gelitten hatte.

Von seinem Äußern in noch jugendliche Mannesalter gibt ein Bildnis Kunde, das sich in der oben genannten Festschrift Eisenmanns findet. Es zeigt einen anscheinend großen und schlanken Mann, in Kracht und Haltung gewissen Schillerbildnissen ähnlich. Die leicht gefurchte Stirn im Verhältnis nicht allzu hoch gebaut, dafür der Gesichtsausdruck, wie fernen Tönen lauschend entschieden gefühlsmäßig gerichtet, dazu ein kräftiges Kinn, das Willensstärke und Ausdauer verrät, wie seine Lebensführung diese Eigenschaften betätigt hat.

In Nürnberg schrieb ihm Riedner 1811 in seinen „kurzen Biographien merkwürdiger Personen, welche seit 1700 in Nürnberg gelebt haben……“, einen glänzenden Nachruf, wobei er bemerkt, die Instrumente könnten für ihren Preis „nicht bezahlt, nur erkauft“ werden.

Das Häuschen am Haismarkt blieb lange noch im Besitz der Verwandtschaft. Im Februar 1817 übernahm es Johan Erhard käuflich von seinen Vater für 600 Gulden; aber schon 1821 musste er es seiner Witwe und seinen 6 Kindern hinterlassen. 1852 kaufte es der Instrumentenmacher Johann Lorenz Schiedmayer von hier, von dem es 1895 seiner Schwester Maria Helene erbte. Dann ging das Besitztum 1902 in andere Hände über.
Das Erlanger Bürgertum kann auf die beiden Schiedmayer stolz sein.

Beilage.

In den in der Registratur des Amtsgerichts aufbewahrten „Grundakten zum Hypothekenbuch des Kgl. Kreis- und Stadtgerichts Erlangen über das Wohnhaus Nr. 619“ findet sich u.a. folgendes Stück, das über den früheren Besitzer und über den damaligen Wert des Hauses Ausschluss gibt:

„Geschehen Erlangen den 1. Septbr. 1802

Lässet der Schreiner Meister Achatius Schiedmeyer auf Befragen vorkommen:

Mein besitzendes mit Num. 619 bezeichnetes Wohnhaus hat mein Vater, Balthasar Schiedmeyer, im Jahre 1738 von einem Korbmacher namens Peter Biemann erkauft, aus dessen Verlassenschaft  mir dasselbe pro 500 Fl. rheinisch zugeteilt worden ist.

Einschränkungen des Eigentums oder der Disposition haften nicht auf diesem Haus du die jährl. Abgaben bestehen in den jährl. gewönl.

- 20 Kr. Erbzinns
- 15 ¾ Kr. Lichtmessteuer
- 12 ½ Fl. Steuervermögen

Schuldig bin ich nichts auf dasselbe.

Vorgelesen, genehmigt und unterschrieben.

Adam Achatius Schiedmeyer

H. w. v.

Friedlein“

E. Schmidt-Herrling         


Anhang

Historisch Biographisches Lexicon der Tonkünstler welches Nachrichten von dem Leben und Werken musikalischer Schriftsteller, Gerber [Gerber Lexicon 1782 Band 2, Seite 216]

Schiedmayer (Johann David)
Hof-Instrumentenmacher zu Erlangen, geb. daselbst im April 1753, ist ein Schüler von Stein in Augsburg, und scheint es schon gegenwärtig nach dem fast allgemeinen Urteile des Publikums, durch seinen anhaltenden Fleiß in der Verfertigung der Fortepianos, noch über seinen Meister gebracht zu haben.
Statt mehrerer ähnlichen mündlichen, schriftlichen und gedruckten Nachrichten, welche ich dem Leser über seine Arbeit mitteilen könnte, mag die einzige aus der IX M(onat) vom J(ahr) 1789 der Erlanger gel. Anmerk  dienen, wo es heißt:
„Ein Bau, dessen Genauigkeit und Fleiß dem Körper die Politur eines Fugenlosen Marmors gibt, eine Tastatur, deren Anschauen entzückt, und deren unübertrefflicher Mechanismus für das leiseste Fingerspiel empfänglich ist, ein Ton, der im Diskant mit dem reinsten süßesten Flötenton, und im Bass mit dem Fagotte wetteifert, der vom sanftesten Hauch des Pianissimo, bis zum schmetternden Fortississimo erhoben werden kann. Dies sind ganz kurz die Eigenschaften des Schiedmayerschen Fortepianos, die für 40 Louis d’Or nicht bezahlt, nur erkauft werden können.“

 

Literatur:

Ahrens, Chr., Klinke, Gregor:
Das Harmonium in Deutschland. Frankfurt a/M, Verlag Erwin Bochinsky, 19961/20012 ISBN: 3-923639-48-1
Deuerlein, E., Rühl, E., Junge, H.:
Erlanger Heimatbuch 1925
. Erlangen, Junge & Sohn, 1925,dritter Band.Erlangen, Verein für Heimatschutz und Heimatkunde,1925 (original)
Eisenmann, Alexander
Schiedmayer & Söhne, Hof-Pianofortefabrik Stuttgart: Vorgeschichte, Gründung und fernere Entwicklung der Firma 1809-1909
Stuttgart, E. Schreiber, 1909 [Xerox Kopie]
Gerber, Ernst Ludwig:
Historisch-Biographisches Lexicon der Tonkünstler
. Leipzig, Breitkopf, 1792 [EBOOK]
Gerber, Ernst Ludwig:
Neues Historisch-Biographisches Lexicon der Tonkünstler
. Leipzig, Kühnel, 1814 [EBOOK]
Großbach, Jan :
Das Harmonium
(Band 51 der Fachbuchreihe DAS MUSIKINSTRUMENT. Frankfurt a/M, Vergag Erwin Bochinsky, 1991 ISBN: 3-923639-89-9
Hildebrandt, Dieter:
Pianoforte, oder, der Roman des Klavier sim 19. Jahrhuntert.
München, Carl Hanser Verlag, 1985 [Dutch translation, Amsterdam, Uitgeverij Contact, 1990] ISBN: 90-254-6904-3
Kinsky, Georg:
Katalog des Musikhistorischen Museums von Wilhelm Heyer in Cöln
Leipizg, Breitkopf & Härtel 1910 [EBOOK]
Kotzurek, A., Redies, Rainer:
Stuttgart Von Tag zu Tag: Die Königszeit 1806-1918
. Stuttgart, Wais & Partner, 2006 ISBN: 3-7995-0176-2
Mück, Wolfgang:
Mitten in Franken: Neustadt an der Aisch : politisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum im Aischgrund
, Neustadt a/d Aisch, Degener, 1999 ISBN: 3-7686-9260-4
Mück, Wolfgang:
Johann Christoph Georg Schiedmayer, Schreinermeister, Orgel-und Instrumentenmacher in Neustadt an der Aisch, Neustadt a/d Aisch, Verlagsdruckerei Schmidt, 2001 ISBN: 3-87707-570-3
Ord-Hume, Arthur W.J.G.:
Harmonium (The History of the Reed Organ and its Makers. London, David & Charles, 1986 ISBN: 0-7153-8885-1
Restle, Konstantin [Hrsg.]
Faszination Klavier: 300 Jahre Pianofortebau in Deutschland
. München, Prestel Verlag, 2000 ISBN: 3-7913-2308-3
Rupprecht, Margarete:
Die Klavierbauerfamilie Schiedmayer: Ein Beitrag zur Geschichte des Klavierbaues
; Erlangen, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen; 1955 (ph. diss.) [Xerox Kopie]
Schuhkraft, Harald:
Wie Stuttgart wurde, was es ist
. Tübingen, Silberburg-Verlag, 1999 ISBN: 3-87407-222-3
Silva, Preethi de:
The Fortepiano Writings of Schreicher, Dieudonné, and the Schiedmayers
;  New York, Mellen Press, 2008  ISBN: 0-7734-4874-8
Strömfeld, Gustav:
Stuttgarter Goldenes Firmenbuch 1929
) (original)

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