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update: 22-04-2014

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BOOK ON SCHIEDMAYER

 

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Dominator-Parabrahm Teil 1

Von Kurt Hennig
Zeitschrift für Instrumentenbau (Band 33 - Nr. 10 - 01 Januar 1913)
Digital Edition www.harmoniumnet.nl (Frans van der Grijn)

 

 

Harmoniumnet-Brochure-Parabrahm

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Wahrlich, Überraschungen bereitet Richard Strauß der Mitwelt! Als man die glutvolle Tonpoesie des Heldenlebens der Salome zuerst miterleben durfte, hat wohl nicht einer seiner begeistertsten Parteigänger davon geträumt, dass eine „Ariadne auf Naxos“ aus der Vorstellungswelt desselben Tonschöpfers hervorgehen würde. So eigenartig die ganze Struktur dieses zweifellos genialen Werkes ist, mit seiner originellen Teilung in Schauspiel und Oper und der gegenseitigen Bedingtheit dieser scheinbar gegeneinander strebenden Kunstformen, so viele Besonderheiten und feine Klangeffekte von neuer Prägung wiest auch die Instrumentation auf in ihrem berückenden Esprit. Neben der Wiederbelebung des Kammerorchesters, das vornehmlich durch die vorgeschriebene schwache Besetzung der Streichinstrumente bedingt ist, zieht der Komponist, in diesem Umfange wohl zum ersten Male in der höheren Kunstübung, die Tasteninstrumente zu überaus wichtiger Wirksamkeit heran.

Das Klavier, bei der Uraufführung der „Ariadne“ in Stuttgart durch Max von Pauer meisterhaft gespielt, die Celesta in dieser Partitur von hervorragenden Rolle berufen, zu glänzenden Mitteln tonalen Ausdrucks, und ihre ganze, bis jetzt in ihrer Eignung für die kostbare Ausschmückung des orchestralen Gewandes noch kaum geahnte Ausdrucksfähigkeit tritt im seltenen, berückenden Zusammenklingen zum ersten Male restlos hervor. Neue zwecke bedingen auch neue Mittel, das ist auch ein Fundamentalgrundsatz in der Kunst wie im Leben.

Als Richard Strauß daran ging, die entsprechenden Orchesterfarben für den so reichen und zart schimmernden farbigen Glanz seiner Ariadne-Instrumentation zu suchen, musste er in seinem Bestreben, einmal ohne das Riesenaufgebot des modernsten Massenorchesters auszukommen, folgerichtig zu der Überzeugung gelangen, dass nur ein Instrument mit mannigfaltigen, bisher unbekannten Tonschattierungen und ausgiebigen, im praktischen Gebrauch schon in ihrer Wirksamkeit als tadelfrei erproben technischen Hilfsmitteln und Neuerungen zur vorteilhaften Vervollständigung des von ihm abgewandten Kammerorchesters genügen könne.

Durch General-Musikdirektor Max Schillings war er nun auf ein Instrument aufmerksam geworden, das, äußerlich und in den Grundprinzipien seiner Konstruktion ein Harmonium, doch von einem solchen wesentlich verschieden ist und viel mehr als ein kleines, eigenartiges Orchester für sich angesehen werden muss. Dieses Instrument bot ihm was er suchte: ein Klang, der mit den einzelnen charakteristischen  Abtönung der Holzbläser und Streicher gut verschmilzt, ja sogar , was bisher als unmöglich gelten könnte, mit Posaunen und Hörnern eine makellose Verbindung eingeht, die künstlerischen Anforderung entspricht.

Dieses Instrument is das Meisterharmonium „Dominator“ der „Schiedmayer Pianofortefabrik“ in Stuttgart. Seine geistigen Vater sind der Berliner Orgelvirtuos Paul Schmidt, der auch den Part des Instruments in der „Ariadne“ bei der Erstaufführung in technisch und musikalisch hochstehender Weise durchführte, und der Konstrukteur der Schiedmayer Werke, Gustav Fritsche.

Beschäftigen wir uns nun zuvörderst einmal mit den Gedankengängen, die zur Schöpfung dieses neuen Instrumenten Typs führen sollten. Nicht wie die Göttin aus dem Haupte Zeus, mit absoluter Unmittelbarkeit, ist unser Meisterharmonium entstanden, sondern langjährige und oft recht mühevolle und zeitraubende Versuche haben zur endgültigen Festlegung aller Einzelheiten geführt.

Die fast allgemeine Abneigung der ernsten Musiker gegen jedes Musikwerkzeug, das eine entfernte Ähnlichkeit mit einem Harmonium hat, erforderte zunächst gebieterisch, den Gründen dieses eigentümlichen Widerwillens nachzuspüren. Da stellte es sich heraus, dass man diesen Gründen ein gut Teil Berechtigung nicht versagen konnte: man las wohl auf den Registerzügen die Namen der schönsten Instrumente; ließ man sie aber ertönen, um sich an diesem Reichtum zu erfreuen, so ergab sich bald zur Evidenz, dass, trotz ganz gelungener Charakteristik einzelner Stimmen, andere wider sehr zu wünschen übrig ließen, überhaupt beim gleichzeitigen Ziehen mehrerer Register sich sofort ein etwas süßlicher, ganz spezifischer Harmonium-Klang einstellte, der auf feiner besaitete Naturen nicht die angenehmsten Wirkungen hervorbringen konnte. Auch die Farbe und Konzentration der Stimmen, de für machvollen tonalen Ausdruck in Betracht kommen, ließ noch so manche Wünsche unbefriedigt. Die auf vielen teuren Instrumenten, namentlich französischen Ursprungs (Mustel), angebrachte Celesta hatte entweder nur geringen Umfang oder sie entsprach, nur resonanzlose, dünne Effekte hergebend, nicht dem üppigen, glitzernden Ton der heutigen Orchestercelesta. Ein empfindlicher Mangel hatte sich auch in der geringen Tragfähigkeit und Sattheit der im großen Raume (Konzertsäle usw.) merkwürdig rasch zerflatternden Akkorde herausgestellt. Es erübrigt sich nun, der wissenschaftlichen Begründung all dieser Mängel nachzugehen, man müsste dabei die ganze Helmholtz’sche Obertonlehre aufrollen. Genug; wissenschaftlich exakt durchgeführte Experimente ließen Paul Schmidt die Ursachen der Schäden feststellen und führten ihn auf der richtigen Weg der Neukonstruktion.

Die technischen Einrichtungen und Möglichkeiten des neugeschaffenen Instruments sind außerordentlich mannigfaltige. Betrachten wir zunächst die auch an Harmoniums anderer Konstruktion vorhandenen, beim „Dominator“ aber teilweise stark verbesserten und weitergebildeten Spieleinrichtungen . Es ist doppelte Expression vorhanden, ferner ist das Prolongement für Forte und Piano eingerichtet; das Metaphon deckt die Stimme des hinteren Spiels. Die Celesta besitzt in der Tiefe eine Oktave mehr als das Mustel-Harmonium; gerade diese tiefe Oktave ist zur Widergabe weitgriffiger Harfenfiguren sehr erwünscht. Auch perlende Glissandoläufe in größerem Umfange, dann die Akkorde der Harfe bei Begleitung des Preislieders aus den „Meistersingern“ oder im Lied an den Abendstern aus „Tannhäuser“ finden auf der erweiterten Celesta ihre Ausführung . Die Vorzüge dieser Konstruktion, die auch noch eine weitere Verbesserung durch eigenartig geformte, den Ton beträchtlich stärker und runder gestaltende Hohlräume erfahren hat, haben die Einführung dieses auch ohne Verbindung mit dem Harmonium zu verwendenden Instrumentes als Orchestercelesta im Königlichen Opernhause in Berlin und in den Symphoniekonzerten von Oskar Fried in der Philharmonie zur Folge gehabt. Verbunden mit der Perkussion lassen sich Tonfärbungen erreichen, die dem Klavier ähnlich sind; auf den tiefsten Oktaven weich angeschlagene Akkorden haben überraschende Ähnlichkeit mit entsprechenden Harfenklängen; der Ton schwingt nach.

In neuartiger Weise is nun aber dem Verlangen nach höheren Ausdruck Genüge geleistet. die Möglichkeit, in einer Melodie einzelne Töne hervorzuheben, ohne die Begleitung, ja ohne die Töne, die durch dieselbe Hand gegriffen werden, an diesem leichten crescendo oder decrescendo teilnehmen zu lassen, die Möglichkeit eines freien individuellen Vortrags also, ist durch die Verwendung des doppelten Tastenfalls gewährleistet. Man kann mit Hilfe dieser Einrichtung innerhalb eines Zusammenklangs einen einzelnen Ton hervorheben, und zwar durchaus nicht allein durch veränderte Stärkegrad sondern auch durch charakteristische Färbung eines andern Registers!

Bei flachem Tastenfall erscheinen erst einige Register, bei tiefem treten weitere hinzu. Die Handhabung dieser Einrichtung verlangt natürlich einige Übung und eine geschickte Hand; die Anwendung ist indessen nicht so schwierig, wie es zunächst erscheinen mag. Das Resultat ist aber das Spiel mit orchestraler Differenzierung; schon ohne Änderung der Intensität des Tretens bekommen die Motive einen lebenswarmen Ausdruck und die Kantilene der entsprechenden Orchesterinstrumente; sie verbinden sich daher sehr gut mit Phrasen und Gegenmelodien, die von diesen gespielt werden. Kleinere Melismen in den Mittelstimmen heben sich heraus, ohne die äußeren Stimmen zu beeinflussen.

Indessen sind auch die einzelnen Register van den bisherigen verschieden. Es sei gestattet, hier eine Kritik über die Konzert im Wiener Musikvereinssaal anzuführen, weil der Referent auf die Ausgestaltung der Registerklänge besonders eingegangen ist. Das „Neue Tageblatt“ vom 28 Oktober 1911 schreibt:

„ So interessante und mitunter hervorragende Kunstleistungen, der den ganzen Abend über sehr angeregten Zuhörschaft geboten wurden, der eigentliche Konzertant war ein neues Instrument, das ‚Meisterharmonium‘. Die Wirkungen, die mit diesem Apparat hervorgebracht werden, sind erstaunlich. Herr Paul Schmidt, ein wackerer und gewandter Organist, der das neue Harmonium in allen Gangarten vorführte, ließ es zunächst als Prachtorgel auftreten. Er spielte die Bach’sche G-Moll Phantasie, mit dem Aufwand der mannigfachsten Registrierungen und mit gelegentlicher Zuhilfenahme eines schönen Prolongements, das den Mangel an Pedalen vollauf wettmachte. In den darauffolgenden Nummern war das Harmonium kleines Gluck’schen und Händel’sches Orchester, dem auch die Harfe nicht fehlte. Das Meisterharmonium aber hatte immer noch neue Überraschungen zu bringen: Die Orchesterbegleitung zum zweiten Satz der Beethoven’schen Violinsonate mit den Pizzicato-Gängen; den Chopin’schen Trauermarsch, in dem das Klaviersolo mit wahren Glockentönen sich aus der Orchesterbegleitung hervorhob. Darauf enthüllte abermals das Meisterharmonium neue Seiten seiner Befähigung: In einer „Gavotte“ von Toby hörte man ein Spinett, in Jensen’s „Murmelndes Lüftchen“ klangen Klavier, Cello und Horn unverkennbar hervor und in einer eigenen Komposition „Abendfrieden“, produzierte Herr Schmidt eine Voix Céleste von außerordentlicher Zartheit. Die außerordentliche Geschicklichkeit und Virtuosität Schmidt’s in der Behandlung des Instruments auch in Rechnung gezogen, muss doch gesagt werden, dass diese Vorführung des „Meisterharmoniums“ ganz ungeahnte Möglichkeiten musikalischer Leistungen offenbart hat.“ 

Der „Dominator“ nimmt kaum mehr Platz ein als ein großes Harmonium, ist vielleicht etwas tiefer gebaut. Folgende Abbildung (Abbild. 1) zeigt die äußere Erscheinungsform.

Selbstverständlich sind der Wirkungsfähigkeit des Instrumentes Grenzen gezogen durch die Windzuführung durch das Treten des Spielers.

 

Paul Schmidt spielt ein Schiedmayer Dominator